Im Gebiet rund um Bormio gibt es neben den großen Tälern und den bekannten Zielen des Alta Valtellina auch ruhigere, abgelegenere Winkel, in denen die Berge andere Geschichten erzählen: alte Almen, Spuren des Ersten Weltkriegs, kleine Bergseen, Lärchenwälder, Hütten und Landschaften, die über Jahrhunderte durch die Arbeit des Menschen geprägt wurden.
Einige lassen sich bei angenehmen Wanderungen entdecken, andere erfordern Trittsicherheit, Kondition und Erfahrung im alpinen Gelände. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie dazu einladen, eine ursprünglichere Seite der Region kennenzulernen.
Hier sind 5 weniger bekannte Täler, die es rund um Bormio zu entdecken gibt.
1. Valle del Gavia
Der Gaviapass gehört zu den großen Namen der Alpen und ist vor allem bei Radfahrern und Bergbegeisterten bekannt. Doch was passiert, wenn man sich nicht damit begnügt, den Pass zu erreichen, sondern die Straße verlässt und zu Fuß weitergeht?
Das Valle del Gavia führt in eine hochalpine Landschaft, in der sich Natur und Geschichte immer wieder begegnen. Hier befinden sich die berühmten Cento Scalini del Monte Gavia, die Teil einer Route entlang militärischer Anlagen aus dem Ersten Weltkrieg sind. Sie erinnern an eine Zeit, in der selbst diese unwegsamen Berge strategisch wichtige Gebiete waren.
Für erfahrene und gut trainierte Wanderer bietet die Gegend Touren hinauf zum Monte Gaviola und auf Höhen von fast 3.000 Metern. Diese Routen führen mitten in die Gletscherlandschaft der Ortler-Cevedale-Gruppe und setzen eine angemessene Vorbereitung auf das Hochgebirge voraus.
Ganz in der Nähe ermöglicht der Sforzellina-Gletscher einen unmittelbaren Blick auf eine Landschaft im ständigen Wandel. Unterhalb des Tresero-Gletschers wurden zudem bedeutende Felsgravuren entdeckt, die von der Anwesenheit des Menschen in großer Höhe bereits in weit zurückliegenden Epochen zeugen. Weitere, deutlich jüngere Gravuren finden sich an den Wänden der Edelweiss-Höhle. Sie wurden im Laufe der Jahrhunderte von jungen Hirten hinterlassen, die die Weiden am Gavia nutzten.
Das ideale Tal für alle, die Geschichte, Geologie und Hochgebirgswanderungen miteinander verbinden möchten – mit zahlreichen Möglichkeiten auch für geführte Touren.
2. Zandilla und Monte
In Valdisotto genügt es, das kleine Dorf Monte zu erreichen, um die Landschaft sofort aus einer anderen Perspektive zu erleben.
Hier ist die Bergwelt nicht nur Natur, sondern eine über die Zeit bewohnte und geformte Kulturlandschaft aus Wiesen, Wäldern, ländlicher Architektur und kleinen Spuren, die vom Leben der alpinen Gemeinschaften erzählen.
Im Dorf lohnt sich ein Halt an der Kirche Mariä Heimsuchung. Etwas weiter oben führt der Weg durch Fichtenwälder und an Hüttengruppen vorbei bis nach Campello, Campaccio und zur Alpe Zandilla.
Die Gegend lässt sich in ganz unterschiedlichem Tempo entdecken. Die ersten Ziele eignen sich auch für einen entspannten Tag zwischen Natur und Almen; wer weiter zum Laghetto di Campaccio aufsteigt und längere Routen wählt, muss dagegen mit zunehmend anspruchsvolleren Wanderungen rechnen.
Für Familien bietet sich als angenehme Alternative der Family Trek Bosco Incantato an: ein kurzer Themenweg, der in Monte startet und durch den Wald führt, vorbei an Skulpturen und Kunstinstallationen, die vor allem die jüngsten Besucher überraschen sollen.
Eine weitere Besonderheit verbirgt sich direkt unter den Füßen. Die Gegend von Zandilla ist für Mineralien wie Anatas, Apatit, Turmalin und Zirkon bekannt. In Richtung Zandilla-Pass sind außerdem Abschnitte alter Saumpfade und Überreste von Schützengräben aus dem Ersten Weltkrieg erhalten.
Ein besonders interessantes Ziel für alle, die Wanderungen, lokale Geschichte und naturkundliche Besonderheiten miteinander verbinden möchten.
3. Val Vezzola
Die Val Vezzola in Valdidentro gehört zu jenen Tälern, deren Reiz sich erst nach und nach entfaltet – durch ihre weiten und stillen Landschaften.
Weniger bekannt als andere Gebiete der Region, ist sie geprägt von großen Weideflächen, Wäldern und offenen Landschaften, in denen der Blick fast ungehindert in die Ferne schweifen kann. Die Route führt durch die Val Cadangola bis zur Alpe Vezzola, am Beginn einer weitläufigen alpinen Hochebene. Von hier kann man weiter in Richtung Val Trela wandern oder längere Touren in Richtung Foscagno unternehmen.
Zu den stimmungsvollsten Orten gehört der Lago Nero, ein relativ tiefer und wenig bekannter Bergsee. Schon sein Name – „Schwarzer See“ – scheint die dunklen Farbtöne vorwegzunehmen, die sein Wasser in der hochalpinen Landschaft annehmen kann.
Der Charakter des Tals verändert sich mit den Jahreszeiten. Im Sommer bestimmen das Grün der Weiden und das Leben auf den Almen das Bild; im Herbst hingegen verwandeln sich die Lärchen in leuchtende Gelb- und Goldtöne und geben einen zusätzlichen Anlass, die Berge außerhalb der meistbesuchten Monate zu entdecken.
Hier erzählt die Landschaft vor allem von der Beziehung zwischen Mensch und Naturraum: Wege, Weiden und Sennereien erinnern an eine Bergwelt, die über lange Zeit durch Landwirtschaft und Viehzucht geprägt wurde.
Ein ideales Tal für alle, die Ruhe, Fotografie, Natur und Wanderungen ohne Eile suchen.